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Fachverbandstagung der Ingenieurbüros in Velden
Ungeschminkte Zukunft
Beim plannING Day gaben sich rund 160 Ingenieure aus ganz Östereich die Klinke in die Hand. Wilhelm Molterer blickte in seiner Keynote kritisch in die Zukunft Österreichs innerhalb Europas
Rund 160 Ingenieurinnen und Ingenieure aus ganz Österreich beschreiteten am 24. und 25. Juni 2010 neue Wege. Denn der heurige plannING Day des Fachverbands der Ingenieurbüros hat sich das Motto "At crossroads – Neue Wege beschreiten" auf die Fahnen geheftet. Dazu haben Fachverbandsobmann Ing. Christian Pelzl und Geschäftsführerin Ulrike Ledóchowski wieder zahlreiche namhafte Experten nach Velden ins Casineum geholt. Unter anderem auch Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer, der sich zwar bart- aber in seiner Rede ganz und gar nicht farblos zeigte.
Kluft zwischen Arm und Reich
"Österreichs Zukunft in Europa – ein Blick hinter die Kulissen" war das Thema des Nationalratsabgeordneten, der, wie er selbst sagte, "die Dinge in meiner Position jetzt kritischer betrachten kann". So sagt Molterer ruppige Zeiten voraus. Denn die Krise sei noch lange nicht vorbei und die Kluft zwischen Arm und Reich werde immer größer. Für den Welthandel prophezeit Molterer eine Verschiebung, da die Wachtumsraten in Lateinamerika bereits bei 6 bis 7 Prozent liegen – "in Europa haben wir nur 1 Prozent", so Molterer. Österreich sei aber im Europavergleich gut aufgestellt.
Wirtschaftspolitik harmonisieren
Aber Molterer sagt: "Manche vermitteln den Eindruck, man könnte so weitermachen wie bisher." Das sei aber der falsche Weg aus der Krise. Was den Euro betrifft, könne man die Währung nur durch eine Erhöhung der Forschungsquote oder einer Verbesserung der Arbeitsproduktivität stärken. Denn als großes Probelm sieht Molterer die dramatische öffentliche Verschuldung. So müsse es für die Länder in der Eurozone eine Entschuldung geben und die Euroländer müssen die Wirtschaftspolitik harmonisieren. Zur Budgetsanierung komme man ohne zusätzliche Einnahmen nicht herum, so Molterer. Außerdem müsse die Regulierung der Finanzmärkte vorangetrieben werden und Finanzprodukte stärker kontrolliert werden.
Für europäische Integration
"Das große Problem Europas ist der Arbeitsmarkt", sagt Molterer. Wachstumsperspektiven sehe er in der älter werdenden Bevölkerung, in der eine Fülle von neuen Dienstleistungen und Märkten schlummere. Wichtigster Wachstumsmarkt der Zukunft sei außerdem alles rund um Klima und erneuerbare Energien sowie der IT-Markt – vor allem im Anwendungsbereich. Österreich müsse sich aber für eine europäische Integration entscheiden. Als weiteres großes Thema in der Zukunft sieht Molterer eine Umstellung des sozialen Systems.
Neben der Keynote von Molterer traten noch ans Rednerpult: Christian Bernard, Direktor der PVA Tirol, Gerald Reischl mit seiner "Google-Falle", Auke Haagsma, Berater der Europäischen Union und Vertreter von ICOMP, Stil-, Farb- und Imageberaterin Ingrid Chladek sowie Hermann Scheer, Präsident von Eurosolar und Vorsitzender des Weltrates für erneuerbare Energien.
Unterhaltsam war die Musikkabaretteinlage von Michael Mandak und genussvoll die Whiskyverkostung des Islay Whisky Chapter Austria. Zum Abschluss der Veranstaltung stand die Preisverleihung für das "superdING" durch Fachverbandsobmann Christian Pelzl auf dem Programm. Der Preis ging an Clemens Holzer für die Entwicklung von synthetischem Papier aus Biopolymeren.
Der nächste plannING Day "The only way is up – Es gibt viel zu tun, packen wir es an” findet am 9. und 10. Juni 2011 im Casineum Velden statt.