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COC

Colours of Carinthia

/Leseproben

/Hussein aus Tschetschenien:

/In der Nacht fielen die Bomben. Ich ging immer früh zu Bett, weil ich Angst hatte.
In unserem Ort gab’s einen Erdölbetrieb, der von Hubschraubern in Brand geschossen wurde. Wir mussten in ein anderes Dorf abwandern. Nur ein paar Männer blieben, um die Tiere zu füttern. Zusammen mit meiner Mutter bin ich später wieder in mein Heimatdorf zurückgekehrt. Ich wollte eine Bombe anfassen. Eine Frau warnte mich. Ich bin sofort von dort weggegangen. Seit wir auf die Welt gekommen sind, haben wir nur Waffen gesehen. Mit geht es hier viel, viel besser als zuhause. Freilich will jeder in seiner Heimat leben. Aber nicht im Krieg!

/ Luis aus Argentinien

/Ich bin vor 30 Jahren vor der Militärdiktatur geflohen. Über Montevideo, Rio und Spanien bin ich irgendwie nach Klagenfurt gekommen. In den 1980er-Jahren war ich einmal Fotomodell für die Kärnten Werbung. Das war fürs erste Plakat mit dem Slogan „Urlaub bei Freunden“. Ich war der Ausländer. „Du spielst den Türken!“, haben sie gesagt.

/ Hadi aus dem Senegal:

/Ich bin eine Diola’. Bei uns kommt jeder Familie eine Aufgabe zu: die Bäcker, die Goldschmiede ... Meine Familie ist das Herrschergeschlecht bei den Diola’. Dadurch bin ich so etwas wie eine Prinzessin. Heute gibt es die alten Königreiche nicht mehr. Aber in den Dörfern bleibt so manches erhalten. In Cap Skirring hatte ich ein kleines Stoffgeschäft. Dort hab ich einen Kärntner kennengelernt. Ich war verliebt und ging mit nach Österreich. Sechs Monate später war ich schwanger. Aber meine Ehe war problematisch. Mit meinem kleinen Buben kam ich ins Frauenhaus Villach. Ich habe um mein Kind gekämpft. Aber der Richter hat gesagt: „Die kann nicht Deutsch, die hat keine Arbeit. Der Bub soll zum Vater!“ Jetzt kann ich Deutsch, hab Arbeit. „Zu spät!“, sagt der Richter jetzt. „Man kann das Kind nicht dem Vater wegnehmen.“ Ich darf meinen Sohn dreimal im Monat sehen. Die restliche Zeit tut mir mein Herz weh. Ich bleibe in Kärnten. Mein Kind ist ja da.

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